Markt, Psychologie und Ökonomie


Korruption in Österreich
Wie korrupt ist Österreich?
Mit dieser Frage beschäftigte sich Dr. Franz Fiedler in seinem Vortrag. „Jeder Mensch hat ein eigenes Gewinnstreben und das ist dafür verantwortlich, dass die Wirtschaft funktioniert“, so der Alt Rechnungshofpräsident. Laut Statistiken sei die Bereitschaft zu strafbaren Handlungen größer, je niedriger die Aufklärungsquote ist. Und diese sei besonders bei Korruption sehr gering. Besonders anfällig seien Subventionen aus öffentlicher Hand, Privatisierungen und auch die Kuvertmedizin und Amtskorruption soll es immer noch geben. Ebenso sei die Schattenwirtschaft, also die Hinterziehung von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen, stärker ausgeprägt je weniger rechtsstaatliche Strukturen vorhanden sind.
Korruption hängt mit Macht zusammen
Die Annahme, dass Frauen weniger korruptionsanfällig sind, ist bei genauerer Betrachtung jedoch nicht haltbar, denn „Korruption hängt mit Macht zusammen und dort wo Frauen an der Macht sind kommt auch ebenso Korruption vor“, rückt Fiedler die falsche Annahme in den rechten Blick und betont, dass sich vor allem bei Bestechung Geld und Macht die Hand reichen.
Transparency International, eine Bewegung zur Bekämpfung von Korruption, hat in den vergangenen Jahren einige Kurruptions- bzw. Verdachtsfälle aufdecken können. Auffallend ist, dass „bei all diesen Politiker involviert waren“, so der Präsident des Beirats. So sei die Nahtstelle zwischen Wirtschaft und Politik, die sich aus einer immer noch starken öffentlichen Wirtschaft ergibt, besonders anfällig in Österreich. Dennoch malt er die derzeitige Situation nicht allzu schwarz, denn in letzter Zeit ist die Sensibilität der Öffentlichkeit größer geworden und auch der Aufdeckungsjournalismus hat immer mehr an Bedeutung zugenommen.
„Freunderlwirtschaft“ in Österreich
Österreich ist eben ein kleines Land, in dem „jeder jeden kennt“. Die sogenannte „Freunderlwirtschaft“ sei ein guter Nährboden für jegliche Art von Korruption. „Auf der Jagd wurden teilweise schon ganze Regierungen gemacht“, gibt Fiedler Einblick in sein Hintergrundwissen. Typisch für Österreich sei, dass zwar viel geklagt wird, aber man sich selbst ausnimmt, wenn man irgendwohin geht um seine Interessen durchzusetzen. Hierzulande herrsche eine „Trinkgeld-Backschisch-Bestechlichkeit“, die ein typisches Österreichisches Phänomen darstelle. 25 Milliarden Euro beträgt der Schaden jährlich, der durch Korruption entsteht. Und als besonders gefährlich streicht Fiedler das Spendenwesen, oder die sogenannte Parteienförderung heraus, da dort eine unklare Regelung und keine Kontrolle vorliegt.
Der Staat ist kein Selbstbedienungsladen
Von all den bisher ans Tageslicht gekommenen Korruptions- und Verdachtsfällen ist bis heute keiner rechtskräftig erledigt. Was also müsste in Österreich geschehen? Nach Fiedler „müsste ein Gesamtkonzept ausgearbeitet werden um Korruption besser wahrnehmen und eindämmen zu können, denn unser Staat ist kein Selbstbedienungsladen.“
Österreich, bist du noch zu retten?
Im anschließenden Podiumsgespräch geben weitere Experten ihre Meinungen zum Thema ab. Dass es bei jedem einzelnen liegt, ob und wieweit Korruption stattfindet, diese Meinung vertritt Franz Pacher, Präsident der Wirtschaftskammer Kärnten: „Es ist unsere Aufgabe: schauen wir darüber hinweg oder sagen wir ,Nein‘, das ist zu viel.“ FH-Prof. Dr. Nils Otter sieht in der „Freunderlwirtschaft“ das größte Problem Österreichs, denn für den gebürtigen Deutschen sind die „Österreicher besonders hilfsbereit“. Dies führt dazu, dass „Österreich ein Schlaraffenland für Journalisten darstellt“, bemerkt Kurt Kuch angesichts der derzeitigen Lage und freut sich über genügend Arbeit für sich als Enthüllungsjournalist und Ressortleiter Innenpolitik bei „News“. Dennoch fordert der Journalist schlicht und einfach Zivilcourage von jedem einzelnen und die Schaffung von mehr Bewusstsein. Dies betont auch Dr. Fiedler, der für politische Bildung in Schulen plädiert: „Es ist gefährlich wenn man Schüler in die freie Wildbahn der Politik entlässt.“
Die Formel der Macht - Vortrag vom 21.November 2011
Macht = Ressourcen x Beziehungen
Das ist die "Formel der Macht", die Dr. Harald Mahrer am 21. November den TeilnehmerInnen seines Vortrags präsentiert hat. Macht bedeute zuallererst etwas "machen zu können", so der erfahrene Politstratege, Unternehmer und Buchautor. So braucht es einerseits Ressourcen in Form von Visionen, Werten oder Ideen andererseits soziale, stabile und tragfähige Beziehungen. Heute ist die Macht häufig vordergründig von Statuserhalt, Stagnation und Visionslosigkeit geprägt, was eine Weiterentwicklung weitgehend verhindert.
Wege aus der Machtkrise sind laut Mahrer einerseits Visionen für die Zukunft. Ein weiterer Schlüssel zur Macht heißt Resilienz - also "das Vermögen einer Person oder einer Organisation, auch in Krisenzeiten entwicklungsfähig zu bleiben." Es gilt, so Mahrer, "morgen auf Herausforderungen zu reagieren, die wir heute noch nicht kennen". Es braucht auch Prinzipien wie "leben und leben lassen", also "Großmut statt Kleinmut". Das Gebot der Stunde laute also dort zu verändern, wo jemand etwas verändern kann.
Jede Macht, die sich diese Fähigkeit nicht aneignet und damit nicht offen bleibt, wird in der Zukunft in überlegen können.
Hier finden Sie die Folien zum Vortrag.
Buchtipp:
Die Formel der Macht von Dr. Harald Mahrer und Dr. Harald Katzmair, Eco Win Verlag, Salzburg, ISBN: 978-3-7110-0003-3, 21,90€
Wirtschaftspsychologie: Entscheidungen durch die "rosarote" Brille - Vortrag vom 14.11.2011
Richtige Entscheidungen
"Entscheidungen zu treffen, dazu braucht es vor allem Mut", betont Univ.-Prof. Dr. Erich Kirchler bei seinem Vortrag. Risikoentscheidungen seien auch nichts schlechtes - wenn man sich auf die Folgen von Fehlentscheidungen entsprechend vorbereite. Nur eine von vielen spannenden Erkenntnissen aus dem Vortrag. Ziel der Wirtschaftspsychologie ist die Entwicklung und Anwendung theoretischen Wissens im Kontext praktischer wirtschaftlicher Probleme und das hat der Referent eindrucksvoll und mit vielen interessanten, erklärenden und weiterführenden Beispielen auch aufgezeigt.
Aber auch das soziale Verhalten, Entscheidungsanomalien, der Better-than-Average Effekt (der überzogene Optimismus im Vergleich mit anderen) oder das Herdenverhalten, also der Tendenz von Investoren, dem Verhalten anderer blindlings zu folgen und ebenfalls zu kaufen oder zu verkaufen, waren durchaus aktuelle Themen, die im Vortrag angesprochen wurden.
Handout
Die Inhalte des Vortrages können Sie hier im Handout nachlesen.
Buchtipp:
Wirtschaftspsychologie - Individuen, Gruppen, Märkte, Staat, 2011, Hogrefe Verlag, 4.Auflage. ISBN: 9783840923623, 931 Seiten
Wie viel Staat braucht der Markt? - Vortrag vom 3.11.2011
Grenzen von Managemententscheidungen - Vortrag vom 24. Oktober 2011
Grenzen von Managemententscheidungen
Dass Managemententscheidungen mehr sein können und müssen als bloßes 'Feuerwehr spielen' war den knapp 70 Teilnehmern beim Vortrag von a.o. Univ.-Prof. Dr. Gernot Mödritscher nach wenigen Minuten klar. Auf Einladung der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft Kärnten hat der Klagenfurter Universitäts-Professor über die Grenzen der Rationalität, des Machbaren, des Beherrschbaren und des Wissens, denen Führungskräfte ausgesetzt sind, referiert. Während bisher der möglichst rationale Entscheider forciert wurde, gelangt nun immer mehr auch das Emotionale, das Ideen oder Kreativität ermöglicht, in das Blickfeld. So müssten auch bisherige Grundwerte von Mitarbeitern wie intelligent, fleißig, angepasst oder gehorsam um 'emotionale Werte' wie kreativ, mitdenkend und engagiert ergänzt werden.
Green Economy - Die Wirtschaft der Zukunft? - Vortrag vom 12. Oktober 2011
Die 4. Industrielle Revolution
„Es geht nicht mehr nur um kleine Steigerungen des Anteils der erneuerbaren Energien, sondern um die Einleitung einer vollständigen Energiewende“. So beginnt Rudi Anschober am 12. Oktober 2011 beim Vortrag der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft Kärnten seine Perspektive des Umdenkens. Der oberösterreichische Landesrat eröffnete mit seinen Gedanken zur „Green Economy“ eine Vortragsreihe der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft Kärnten zum Thema „Markt, Psychologie und Ökonomie“. Im folgenden finden Sie eine kurze Zusammenfassung der Inhalte dieses spannenden Abends, der sowohl einen Einblick in Anschobers Arbeit bei Weltklimagipfeln oder Konferenzen in Cancun bis hin zu konkreten Projekten im Land Oberösterreich geboten hat.
„First mover are winner“
Die Beginn der Energiewende dürfe zuallererst nicht auf irgendwann verschoben werden, sondern es gelte, umgehend zu beginnen, „nicht auf andere zu warten, sondern funktionierende Beispiele zu setzen“. Der Klimaschutz sei weder Last noch Risiko, sondern „eine Notwendigkeit für die Zukunft aber auch eine Chance für die Wirtschaft“.
Dramatische Entwicklungen
Schober beginnt mit düsteren Prognosen, wonach die CO2 Emission im Jahr 1990 noch 22,7 Milliarden betrug, 16 Jahre später bereits 31,1 Milliarden und bei gleich bleibendem Verbrauch im Jahr 2050 rund 54 Milliarden Tonnen betragen wird. Weiters werden die Temperaturen bis zum Jahr 2200 um 8 Grad steigen - zum Vergleich: 5 Grad hat der Unterschied zwischen Warmzeit und Eiszeit betragen.
Vollständige Umstellung notwendig
Es gehe bei der Energiewende nun darum, die Auslandsabhängigkeit bei der Energieversorgung zu reduzieren. Derzeit werde in den Ländern mehr Energie verbraucht als produziert werde, zudem sind fossile Energieträger enden wollend. Während die Nachfrage steigt, sinkt die Fördermenge und der Preis steigt. Wärme und Licht, die zu den Grundrechten des Menschen zählen, werden aufgrund der genannten Entwicklungen kaum mehr leistbar.
Daher brauche es die Notwendigkeit einer Revolution, die nur verwirklicht werden könne, wenn überpürfbare Ziele definiert, ein klarer Kurs eingeschlagen und dieser auch laufend überprüft werde. Für diesen Umstieg auf erneuerbare Energie sind genügend Potenziale vorhanden: Sonne, Biomasse, Wind und Wasser. Die Kosten für eine Umstellung für ganz Europa bis zum Jahr 2050 würden 2,8 Billionen Euro betragen, wobei allein die Einsparung bisheriger Importe 1,6 Billionen bringen würde.
Die Revolution als große Chance
Fast 700.000 Menschen sind derzeit in der EU bereits im Bereich der Ökoenergie beschäftigt (8,7 Mio. insgesamt im Bereich der Green Jobs). Bis 2050 sollten es 6,1 Millionen sein. Zur Mitte des Jahrhunderts könnte die EU dann den Energiebedarf nahezu vollständig und Strom vollständig mit erneuerbaren Energieträgern abdecken. Begleitend dazu braucht es eine Ökojoboffensive, wo es zur Qualifizierung von Arbeitslosen kommen soll. Im neuen Ökojobprogramm sollen vor allem Verbesserungen bei Ausbildung und Qualifizierung im Bereich der grünen Jobs verwirklicht werden, der Heimmarkt weiter ausgebaut werden und die Exporte weiter verstärkt werden. Viele Regionen haben den Atomausstieg beschlossen, das und auch der neue Energiekurs in Deutschland soll als Chance für die grüne Wirtschaft Oberösterreichs genutzt werden.
Mit so genannten Leuchtturmprojekten der Energiezukunft soll bewiesen werden, welche energetischen Standards bereits erreicht werden können. Zu diesen Projekten zählen unter anderem Europas erste Passivhaussanierung eines großen Schulbaues in Schwanenstadt, wo die Energiekosten um 90 % verringert werden konnten. Das ist eines von mehreren Schauprojekten, das von einheimischen Firmen verwirklicht werden konnte, die in weiterer Folge auch mit Folgeexportaufträgen rechnen können.
Klimaschutz und die Energiewende sind nicht nur „das beste Rezept gegen die Folgen der Wirtschaftskrise“, sondern bringen finanzielle Vorteile, soziale Sicherheit und mehr Demokratie. Das wichtigste der Energierevolution ist dabei nicht der Ausbau der erneuerbaren Energieträger, sondern die Effizienzrevolution, die den Energieverbrauch in Europa bis 2030 um ein Drittel senken soll.
Konkrete Projekte in Oberösterreich
Oberösterreich arbeitet als eine der weltweiten Modellregionen an der Energiewende mit: Jeder dritte Biomassekessel in der EU stammt aus Oberösterreich, das Bundesland ist in Europa an erster Stelle bei der Solarfläche pro Einwohner, ist Österreichs Vorreiter bei Photovoltaik und Geothermie und hat den Energieverbrauch erfolgreich vom Wirtschaftswachstum entkoppelt.
In Oberösterreich wurde erstmals in Europa der vollständige Umstieg auf erneuerbare Energieträger bei Raumwärme und Strom bis 2030 beschlossen. Politische Stabilität, zahlreiche Förderungen, Beratungsangebote, Rückhalt, Gespräche, Engagement in und runde Tische mit der Bevölkerung sowie ambitionierte Vordenker in Wirtschaft, Forschung und Politik sind laut Anschober die Bestandteile des oberösterreichischen Erfolgsrezepts.
• Bau von Gemeinschaftskraftwerken, die von unterschiedlichen Betrieben geführt werden.
• Solarschulen: 210 Schulen beteiligen sich an der europaweit erstmaligen Initiative „Solarschulen“. Im Rahmen der Initiative erzeugen die Schulen ihren Strom durch Photovoltaik selbst, führen eine Stromsparaktion (Energiespardetektive in jeder Klasse) durch und verwirklichen einen Unterrichtsschwerpunkt Solarenergie, bei dem die Technik der Erzeugung von Solarstrom und solarer Wärme kennen gelernt wird.
• Science Center „Welios“ in Wels: Im ersten Science Center Österreichs erwarten die Besucher (rund 100.000 pro Jahr) Exponate und Experimente zum Thema erneuerbare Energien, um den sensiblen Umgang mit Energie zu verstärken, die Einwohner für die Energieregion zu begeistern und Zukunftsperspektiven für die Umwelt aufzuzeigen.
• Konzept der Energiespargemeinden: Im überschaubaren Bereich einer Gemeinde wird ein konkretes kommunales Energie-Konzept entwickelt, das die Reduktion des Energieverbrauchs, die Nutzung regional verfügbarer erneuerbarer Energieträger, regionale Wertschöpfung und einen Beitrag zum Klimaschutz beinhaltet. Mittlerweile beteiligen sich 200 von 444 Gemeinden an diesem Projekt, das vom Land gefördert wird.
Eckpfeiler der Energiewende
Zu den Eckpfeilern zählen für Anschober die maximale Energieeffizienz, die Förderung erneuerbarer Energieträger, die Schaffung neuer Speichertechnologien (um die Energie vom Produktions- zum Verbrauchszeitraum speichern zu können), sowie die Modernisierung und Verstärkung der Netzinfrastruktur, um die notwendige Versorgungssicherheit zu verwirklichen. Anschober will in den nächsten Jahren die zentralen Stärken der Landesenergiepolitik weiter ausbauen: Biomassenutzung, thermische Solarenergie, Wasserkraft an umweltverträglichen Standorten und mit einer Fortsetzung der Effizienzoffensive bei bestehenden Standorten.
Für Anschober sind die wesentlichen Eckpunkte einer globalen Energierevolution: Eine Abschaffung der Subventionen fossiler und atomarer Energie, eine Steuerbefreiung von Investitionen in erneuerbare Energie, ein bevorzugter und intelligenter Netzzugang samt garantierter Einspeisevergütungen für erneuerbare Energie oder eine CO2-Steuer.
Buchtipp:
Das grüne Wirtschaftswunder
Wie die Energierevolution funktioniert und wie jeder davon profitiert
200 Seiten,
€ 19,95
ISBN 978-3-8000-7505-8
Bestellungen über: www.anschober.at








































































